Traversée de Paris en aviron und wir waren dabei!

„Paris s’éveille“ – das Chanson von Jacques Dutronc konnte einem schon durch den Kopf gehen, als wir uns am 6. Oktober 2013 um kurz nach 5 Uhr vom Hotel in Boulogne Billancourt auf den Weg zum Rudergelände machten, der base nautique de l’île de Monsieur, um an der diesjährigen Traversée de Paris en aviron teilzunehmen.
Die Idee dazu hatte im Frühjahr unsere Französin Myriam, die das Ganze dann auch in die Hand nahm und perfekt organisierte.

Wir waren bereits am 3. Oktober angereist und hatten so noch Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Einige schwangen sich wagemutig aufs Fahrrad, was sich als sehr praktisch und relativ harmlos erwies, andere waren klassisch mit der Métro oder zu Fuß unterwegs.
Auch einen Geburtstag gab es zu feiern, den wir stilecht mit Champagner begossen.
Am Samstag dann wurde es halbwegs ernst - wir hatten noch die Boote aufzuriggern. Die Dimensionen des Rudergeländes waren beachtlich: ein Logistikzentrum mit mehreren riesigen Bootshallen – ein überdimensionales Rudererdorf. Gleichwohl war die Atmosphäre alles andere als anonym und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Franzosen ließ uns weiter staunen. Hier musste noch eine Ersatzmutter (boulon) beschafft werden, da eine Flügelschraube, es ergaben sich schon die ersten Gespräche auf dem Platz.
Am Sonntag kamen wir also gegen halb sechs an. Nach einem Becher Kaffee und einem Croissant ging es in Schichten aufs Wasser, 200 Boote in der Dunkelheit, 1000 Menschen, Kostümierte mit Perücken, Piraten, Ambitionierte in ihren Einteilern und ganz Normale, die sich bis zum Startschuss um halb 7 auf der Seine drängten – Gänsehautatmosphäre, Nervosität ob des Gedränges, gute Laune und Zeit, nachzufragen: „D’oû-êtes vous, wo kommt ihr her? Francfort, nein, nicht Sachsenhausen, und ihr? Nederland, was – Aschaffenburg?
Mit dem Startschuss ging es los. Vorbei am Eiffelturm, dem Invalidendom, dem Musée d’Orsay, der Assemblée Nationale (dem französischen Parlament), unter dem Pont Alexandre III Richtung Nôtre Dame, die wir linkerhand ließen. Mit uns im Boot saß Serge aus einem der Vereine der Base Nautique. Auf Englisch und Französisch gab er uns eine kleine Stadtführung vom Wasser aus.
Kurz hinter der Ile-de-la-Cité wurde gewendet. Für die Einen war es an der Zeit, ihren Kaffee loszuwerden, andere frühstückten erst mal im Boot. Entspannt erreichten wir nach ca. 4 Stunden wieder den Anlegesteg. Es war ein einzigartiges und wirklich einmaliges Erlebnis, denn die Seine ist normalerweise, bis auf diesen Vormittag einmal im Jahr, in der Stadt Paris für Kleinboote gesperrt.
Nach dem Abriggern saßen wir alle noch an langen Tischen beisammen und ließen es bei Paella, Wein und Dessert heiter in diesem großen europäischen Dorf ausklingen. On reviendra.

Um den Nicht-dabei-Gewesenen eine Vorstellung vermitteln zu können, schaut Euch einfach die Doku vom letzten Jahr an: